Asto­ria Thea­ter: Grup­pe der Musik- und Kunst­schu­le par­odiert soge­nann­te Rea­li­ty-TV-For­ma­te. Die
Her­an­ge­hens­wei­se an das The­ma funk­tio­niert. Es gibt Lacher und Nachdenkliches

Mit­te. Ekel­fak­tor, Schock­mo­men­te, Fremd­scham und am bes­ten muss es rich­tig weh­tun: Im Kampf um Ein­schalt­quo­ten ist
man­chen Fern­seh­shows jedes Mit­tel recht. Das nahm eine Thea­ter­grup­pe der Musik- und Kunst­schu­le nun gekonnt und humorvoll
auf die Schip­pe. Unter Lei­tung von Regis­seu­rin Ann­ele­na Bal­ke führ­te die neun­köp­fi­ge Trup­pe das Stück „Show ohne Gren­zen“ von
Ulri­ke Win­kel­mann im Asto­ria Thea­ter auf. Dabei brach­ten sie das Publi­kum im gut gefüll­ten Thea­ter­saal etli­che Male zum Lachen
und ern­te­ten viel Beifall.

In der „Show ohne Gren­zen“ wol­len vier Kan­di­da­ten ihr bis­he­ri­ges Leben hin­ter sich las­sen und sich ihre Lebens­träu­me erfül­len. Um
das zu errei­chen, müs­sen sie meh­re­re Auf­ga­ben – eine demü­ti­gen­der als die ande­re – über sich erge­hen las­sen, um Tau­sen­de Euro
zu gewin­nen. Der ängst­li­che Josef-Maria zum Bei­spiel wird in eine Kis­te vol­ler Was­ser ein­ge­sperrt und Kris­tin, ein Opfer häuslicher
Gewalt, muss sich vor lau­fen­der Kame­ra schla­gen und beschimp­fen lassen.

Was objek­tiv alles ande­re als wit­zig klingt, wird in dem Stück der­art über­spitzt dar­ge­stellt, dass dem Zuschau­er kaum etwas anderes
übrig bleibt, als immer wie­der in Geläch­ter aus­zu­bre­chen. Die Her­an­ge­hens­wei­se der Thea­ter­grup­pe trifft den sprichwörtlichen
Nerv der Gäs­te. Das Gelin­gen der Auf­füh­rung ist aller­dings auch den über­zeu­gen­den Haupt­dar­stel­lern zu ver­dan­ken: Josef-Maria,
unsi­cher, vol­ler unter­drück­ter Emo­tio­nen und in sei­nen reli­giö­sen Ansich­ten fest­ge­fah­ren, zit­tert und wackelt so unbe­hol­fen über
die Büh­ne, als hät­te ihm nie jemand bei­gebracht, sei­ne Glied­ma­ßen zu benut­zen. Die 19-jäh­ri­ge Shana, von einer Sek­te großgezogen
mit kaum Gele­gen­heit, sich rich­tig aus­zu­le­ben, tän­zelt über­dreht über die Büh­ne und strahlt dabei naiv in alle Rich­tun­gen. Agnes,
die mit dem Preis­geld dut­zen­de Schön­heits-OPs bezah­len möch­te, ist igno­rant und dümmlich.

Ent­spre­chend absurd ist auch das Sen­dungs­fi­na­le. Wäh­rend die vier Kan­di­da­ten, ver­stört durch die geschmack­lo­sen Auf­ga­ben, im
Hin­ter­grund qua­si hyper­ven­ti­lie­ren, zusam­men­bre­chen oder sich über­ge­ben, kommt ein Popstern­chen auf die Büh­ne – und trällert
ein Lied über ihren Angebeteten.