Vor einem Jahr waren vie­le Ver­an­stal­tun­gen der MuKu noch aus­ver­kauft – heu­te gibt es wegen Coro­na kaum noch welche

Wenn Senio­ren von „Guten Alten Zei­ten“ schwär­men, rol­len jün­ge­re Leu­te mit den Augen. Aus ihrer Sicht waren weder Musik noch Autos oder Mode frü­her bes­ser. Heu­te aller­dings dürf­ten sich alle Men­schen glei­cher­ma­ßen nach den alten Zei­ten sehen. Wie war es noch gleich, bevor Coro­na kam? Es gab Stadt- und Volks­fes­te, feucht-fröh­li­che Par­tys, vol­le Knei­pen, Kinos, Restau­rants und aus­ver­kauf­te Veranstaltungen.

Spe­zi­ell an der Musik- und Kunst­schu­le gab es Kon­zer­te, Aus­stel­lun­gen, Thea­ter­auf­füh­run­gen, mehr­mals im Jahr einen Tag der Offe­nen Tür, gro­ße Wett­be­wer­be, Musi­cals, Tanz­ver­an­stal­tun­gen, über 200 im Jahr. Dazu Orches­ter­rei­sen und Pro­ben nahe­zu an jedem Tag. Je län­ger die Kri­se dau­ert, des­to weni­ger kann man sich vor­stel­len, dass das alles wirk­lich so war.

Kann das sein? Nie mehr ste­hen­de Ova­tio­nen in vol­len Sälen? Nie mehr nach Wett­be­wer­ben ein­an­der in die Arme fal­len? Nie mehr per Hand­schlag gratulieren?

Men­schen sind Rudel­tie­re, wie auch Hun­de. Abstand hal­ten ist nicht unse­re Natur, weil wir gelernt haben, zusam­men zu agie­ren. Ein­zeln kön­nen wir nicht über­le­ben, aber gemein­sam sind wir stark. Das genau ist die Stär­ke aller sozia­len Wesen. Gemein­schaft ist unse­re Gesell­schafts­form und Ein­sam­keit macht die meis­ten Men­schen krank.

Und da ist noch etwas, was die Men­schen mehr haben und mehr brau­chen als ande­re Wesen: Gefüh­le! Wenn man nun die gro­ßen Gefüh­le, gemein­sa­mes Gestal­ten, Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit, Mann­schafts­leis­tung und sozia­les Inter­agie­ren zusam­men­fas­sen will. So lan­det man beim Sport, beim Thea­ter, beim Tanz und vor allem bei der Musik.

Wenn in den ver­gan­ge­nen Wochen von Sys­tem­re­le­vanz gespro­chen wur­de, so waren die kurz­fris­tig sys­tem­re­le­van­ten Tätig­kei­ten gemeint. Men­schen und Beru­fe, die nötig sind, um die Kri­se zu bewäl­ti­gen. Künst­le­ri­sche Wer­ke, schöp­fe­ri­sche Tätig­kei­ten, Gefüh­le, Intui­tio­nen und rei­nes Mensch­sein sind lang­fris­tig sys­tem­re­le­vant, weil sich in allen ande­ren Berei­chen Com­pu­ter zukünf­tig und Robo­ter bes­ser anstel­len wer­den als Menschen.

Noch nie gab es eine Kri­se, die alle Men­schen in allen Lebens­be­rei­chen zu so star­ken Ein­schrän­kun­gen gezwun­gen hat – und das welt­weit. Aber der Mensch wäre nicht Mensch, wenn er nicht schnell Lösun­gen und Ideen ent­wi­ckeln wür­de, in denen sei­ne Natur und sei­nen Stär­ken auch mit oder nach Coro­na wie­der zum Aus­druck kommt. Dazu gehört vor allem die Musik der Men­schen, ohne die kei­ne Hoch­zeits­fei­er, kei­ne Par­ty, kei­ne Ver­an­stal­tung, kein Film, nicht der Sport, nicht die Wer­bung, nicht die Poli­tik und nicht die Kir­che aus­kommt. Die Spra­che, die alle Men­schen gemein­sam spre­chen und auch „Die ein­zi­ge Spra­che, in der man nicht lügen kann“ so Yehu­di Menu­hin. Nun ist es zum jet­zi­gen Zeit­punkt schwer voll­stell­bar, dass z.B. bei der Pop-Oper in der Oetker­hal­le wie­der 6.000 Leu­te mit ste­hen­den Ova­tio­nen von der Empo­re und aus dem vol­len Saal 250 Mit­wir­ken­de fei­ern. „Oh Herr lass ein Wun­der gesche­hen“, möch­te man sagen. Viel­leicht braucht es aber gar kein Wun­der, son­dern viel­mehr, dass alle klug und beharr­lich die Maß­nah­men anwen­den, die der Ver­brei­tung des Virus Ein­halt gebieten.