Theater: Premiere von "Das Leben ist keine Generalprobe" in der Musik- und Kunstschule

Von Tarek Chafik

Mitte. Was sagt eine frisch verstorbene Person, wenn ihr für die Dauer von 60 Sekunden noch mal Gelegenheit gegeben wird, sich an ihre Liebsten im Diesseits zu wenden? Sie bricht in Tränen aus, wie die junge Frau Franz (Daniela Galla-Niestradt), weil sie ihre Tochter nie mehr sehen wird. Oder sie weiß mit dieser Minute überhaupt nichts anzufangen, wie der Bestatter Stephan Fuchsberger (Henning Schweppe), der von dem Versäumnis lamentiert, den "Giersch um mein Haus" nicht entfernt zu haben.

Vielleicht gelangt sie aber auch, wie die einst sehr erfolgreiche TV-Produzentin Diana Frensch (Melanie Mettlen), schlussendlich zu der Einsicht: "Das Leben ist keine Generalprobe." Unter eben jenem Titel steht die sehr gelungene Groteske, die acht Schauspieler der Erwachsenen-Theatergruppe an der Musik- und Kunstschule (Regie: Annalena Balke) jetzt erstmals auf die Bühne gebracht haben.

Anderthalb Jahre probte das Ensemble. Das führte zu einem Schauspiel, das es dem Publikum einerseits wunderbar leicht machte, auch einmal herzhaft über den Tod zu lachen, ohne dass die Inszenierung zu irgendeinem Zeitpunkt drohte, ins übertrieben Ironische abzugleiten.

Andererseits ließ es das Drehbuch nie zu, dass im Zusammenhang mit dem viel beschworenem "Tabuthema Tod" im Verlauf der Aufführung zu sehr moralisiert wurde. Stattdessen überwog das Absurde, immer wieder punktgenau gebrochen von Passagen, die zum Nachdenken anregten. Den roten Faden der Handlung bilden Aussagen, die sieben Menschen zugestanden werden, die damit zurechtkommen müssen, sich von jetzt auf gleich im Jenseits wieder zu finden.

Es sind Menschen, die der Tod aus der Mitte ihres Lebens gerissen hat, die früher geschiedene Ehemänner, Prostituierte oder Hobby-Philosophen waren, und sich nun auf einmal in einem Haus des "Fortgangs" begegnen.

Darin hat Zeremonienmeister Cosmo Bienenstock - herrlich tuntig verkörpert von Benjamin Bloch - das Sagen und traktiert mit großer Freude die neuen Bewohner, indem er sie ausgiebig mit den Schwachstellen aus ihrer zurückliegenden Existenz konfrontiert.

Es ist eine von vielen starken Stellen in diesem Stück, wenn auch dieser Hausmeister im Leopardendress den frisch Verstorbenen mitteilt: "Ihr habt Menschen, die euch vermissen. Ihr habt Spuren hinterlassen. Ich ziehe hier nur meine Show ab." Allein diese Show war mehr als sehenswert wie auch die schauspielerischen Leistungen aller Akteure an diesem Abend. Mit der Premiere von "Das Leben ist keine Generalprobe" wurde erstmals auch der neue Theaterraum im Nebengebäude der MuKu bespielt.