Theatergruppe der Musik- und Kunstschule zeigt »communicate.me« im Theaterlabor

Bielefeld(WB). »Wir waren ganz gewöhnliche Jugendliche. Wir wohnten in der selben Stadt, gingen auf die selbe Schule. Wir hatten alle unsere Träume und Sehnsüchte, unsere Schwierigkeiten und Streitereien – und wir haben nicht bemerkt, als es anfing, anders zu werden.« Steven legt eine Fährte, die Schlimmes erahnen lässt.

Von Uta Jostwernerund Hans-Werner Büscher(Foto)

Dieses Damokles-Schwert schwebt von Anfang an über den Personen des Jugendstücks »communicate.me« von Ulrike Winkelmann. Die Jugendtheatergruppe der Musik- und Kunstschule hat das Stück binnen eines Jahres einstudiert und auf die Bühne des Theaterlabors gebracht. Unter der Leitung von Fachleiterin Annalena Balke entwickelten die Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren ihre Charaktere und spielten ihre Rollen bemerkenswert souverän aus.

Man erlebt Jugendliche an der Schwelle zum Erwachsensein mit allem, was sie beschäftigt und umtreibt. Liebe, Freundschaft und Verlust dergleichen sind Themen ebenso wie Trauer, Selbstfindung, Anerkennung und Grenzerfahrung. Es geht auch um Cool-Sein und Dabei-Sein – normale, altersgemäße Probleme eben, die jeder für sich auf unterschiedliche Weise zu lösen versucht.

Da sind drei taffe Freundinnen, die sich über coole Klamotten und ihr Aussehen definieren. Da gibt es einen Kreis junger Frauen, die beim Skateboard-Fahren ihre Grenzen ausloten. Da gibt Jugendliche, die auf Freundschaft setzen, ein Paar, das sich trennt, eine Tänzerin, eine Handy-Süchtige, eine schüchterne Außenseiterin und ein junges Mädchen, das um ihren Vater trauert. Zwischen Schule, Café und Club lernt der Zuschauer sie allmählich kennen. Alle sind sie auf der Suche nach Verständnis, Trost und Wahrheit. Doch manch eine wird in der Realität nicht fündig und sucht Erfüllung in einschlägigen Chats im Internet. Hier können sie das sein, was ihnen in der realen Welt verwehrt scheint. Die Schüchterne avanciert dort zur waghalsigen »Madonna«, die Trauernde findet Halt im Glauben an einen »Lichtengel«, der zum Suizid ermutigt. Motive, in die virtuelle Welt abzutauchen und dort nach Antworten zu suchen, gibt es verschiedene.

Einige kommen mit einem blauen Auge davon. Doch für Nadja, das Mädchen, das um ihren Vater trauert, kommt jede Hilfe zu spät. In einer bemerkenswerten schauspielerischen Leistung zeigen die Jugendlichen nicht nur, was sie bewegt, sondern auch, wie das Internet das Leben eines jeden verändern kann.

Eine weitere Vorstellung von »communicate.me« ist heute um 18 Uhr im Theaterlabor zu sehen. Karten gibt es unter Telefon 0521/51 29 92.